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Betreuung & Vorsorge

Eine Vorsorgevollmacht ist laut BGH-Urteil nur eine Vollmacht zur rechtlichen Vertretung

Wer in einer Vorsorgevollmacht benannt ist, muss den Vollmachtgeber nicht selbst betreuen und versorgen können: Ist nichts anderes geregelt, hat er laut Bundesgerichtshof „nur die notwendigen tatsächlichen Hilfen zu besorgen, nicht jedoch selbst zu leisten“.

Veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert am Lesezeit ca. 2 Minuten

Rechtsstand: 30.10.2023 · Die genannte Rechtsprechung entspricht dem Stand zu diesem Datum.

Klaus Dieter Girnt

Vorstand der lightzins eG · Berufs-Nachlasspfleger (DVEV) · Testamentsvollstrecker (DVEV) · Dozent an der VHS Bochum und weiteren öffentlich-rechtlichen Bildungsstätten · BAFA- und KfW-akkreditiert · Gründungsmitglied der lightzins eG

Korkpinnwand mit ordentlich angehefteten Zetteln, davor ein Schriftstück mit grünem Siegel und ein weißes Telefon

Im Streitfall ging es um eine Frau aus Westfalen, die an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt ist. Zudem leidet sie an chronischen Schmerzen und der Lungenerkrankung COPD. Im Februar 2019 bestellte das zuständige Amtsgericht daher eine Betreuerin. Im August 2021 entschied die erkrankte Frau allerdings, ihrem Ehemann eine umfassende Vorsorgevollmacht zu erteilen. Gleichzeitig beantragte sie, die Betreuung insoweit aufzuheben.

Dem kamen das Amtsgericht und auch das Landgericht Münster nicht nach. Zur Begründung verwies das Landgericht darauf, dass die Frau in der Nähe ihrer Klinik leben wolle. Ihr Mann wohne aber mehrere Autostunden entfernt und könne sie daher nicht eng genug versorgen und betreuen.

Diese Entscheidung hob der BGH auf. Zunächst habe das Landgericht gar nicht geklärt, für welchen Wohnort sich die Frau nach ihrem Klinikaufenthalt tatsächlich entschieden habe. Sollte dieser tatsächlich in der Nähe der Klinik sein, habe sie dabei die Entfernung sicherlich auch selbst schon bedacht und sich trotzdem für ihren Ehemann als Bevollmächtigten entschieden. Dies dürften die Gerichte nur mit wichtigen Gründen übergehen.

Zudem gehe es in einer Vorsorgevollmacht allein um die rechtliche Vertretung. Sei anderes nicht geregelt, verpflichte die Vollmacht den Ehemann daher nicht, seine Frau auch selbst zu betreuen. Er habe „nur die notwendigen tatsächlichen Hilfen zu besorgen, nicht jedoch selbst zu leisten“.

Dass der Ehemann hierzu nicht in der Lage sei, habe das Landgericht nicht festgestellt, rügte der BGH. Zudem argumentiere das Landgericht nur zur Gesundheitsversorgung. Gründe, warum sich der Ehemann nicht zumindest um andere Bereiche kümmern könne, etwa die Finanzen, fehlten in der Vorentscheidung völlig.

Nach diesen Maßgaben muss das Landgericht Münster nun neu prüfen, ob die Vorsorgevollmacht für den Ehemann ganz oder zumindest teilweise Bestand haben kann.

Quelle: Bundesgerichtshof, Az. XII ZB 212/22

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Über den Autor
Klaus Dieter Girnt

Klaus Dieter Girnt

Vorstand der lightzins eG

Klaus Dieter Girnt setzt sich seit über 30 Jahren dafür ein, dass Menschen im Alter ihren Lebensstil beibehalten können und ihre individuellen Wünsche bestmöglich absichern. Er ist Autor des Buchs „ich habe vorgesorgt“.

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