Zum Inhalt springen
Nachlassabwicklung

Die Erbengemeinschaft und die Verwaltung einer Immobilie

Können sich Miterben über eine geerbte Immobilie nicht einigen, kann jeder Miterbe verlangen, dass der Nachlass aufgeteilt wird, und eine Teilungsversteigerung beantragen; der Erlös wird unter den Erben aufgeteilt. Die Gerichte lassen sie in der Regel zu, solange sie der Auflösung der Erbengemeinschaft dient und nicht missbräuchlich genutzt wird.

Veröffentlicht am Lesezeit ca. 3 Minuten

Rechtsstand: 19.08.2024 · Die genannte Rechtsprechung entspricht dem Stand zu diesem Datum.

Klaus Dieter Girnt

Vorstand der lightzins eG · Berufs-Nachlasspfleger (DVEV) · Testamentsvollstrecker (DVEV) · Dozent an der VHS Bochum und weiteren öffentlich-rechtlichen Bildungsstätten · BAFA- und KfW-akkreditiert · Gründungsmitglied der lightzins eG

Ein Holzhaus als Modell, davor drei gleiche Schlüssel und dahinter eine Aktenmappe auf dem Tisch

Es kommt immer wieder vor, dass Erben eine Immobilie gemeinsam erben und sich dann die Frage stellt, wie diese sinnvoll verwaltet oder aufgeteilt werden kann. Manchmal kommt es zu Streitigkeiten – ein aktueller Fall, der vor Gericht landete, zeigt, welche Möglichkeiten es gibt.

Sachverhalt: Streit um die Teilungsversteigerung einer Immobilie

In einem konkreten Fall ging es um eine Erbengemeinschaft, die gemeinsam einen Anteil an einer Immobilie besaß. Diese Gemeinschaft bestand aus mehreren Erben, von denen einer, die Klägerin, gleichzeitig auch einen eigenen Anteil an der Immobilie besaß. Die Beklagte, eine der Miterbinnen, beantragte beim Gericht eine Teilungsversteigerung, um die Erbengemeinschaft endgültig aufzulösen. Ziel war es, den Wert der Immobilie durch eine Versteigerung zu realisieren und den Nachlass unter den Erben aufzuteilen.

Was bedeutet eine Teilungsversteigerung?

Eine Teilungsversteigerung ist ein Mittel, um eine Immobilie aus einer Erbengemeinschaft heraus zu verkaufen, wenn sich die Erben nicht einig sind. Das Geld aus der Versteigerung wird dann unter den Erben aufgeteilt. Im beschriebenen Fall war die Klägerin der Meinung, die Beklagte habe nicht genug versucht, eine einvernehmliche Lösung zu finden, und warf ihr einen Missbrauch des Verfahrens vor.

Gericht entscheidet: Versteigerung ist rechtens

Das Landgericht Berlin wies die Klage der Klägerin ab. Es stellte fest, dass die Beklagte das Recht habe, die Versteigerung zu beantragen, da sie die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft zum Ziel habe. Auch das Kammergericht bestätigte diese Entscheidung, da die Beklagte zuvor mehrfach versucht hatte, eine Einigung zu erzielen, was jedoch gescheitert war.

Wichtige Punkte für eine Erbengemeinschaft

  1. Jeder Erbe hat das Recht, die Auseinandersetzung zu verlangen: Wenn sich die Erben nicht einigen können, kann jeder Miterbe verlangen, dass der Nachlass – und damit auch Immobilien – aufgeteilt wird.
  2. Teilungsversteigerung als letztes Mittel: Eine Teilungsversteigerung ist dann möglich, wenn keine Einigung unter den Erben erzielt werden kann. Dabei muss das Ziel immer die Auflösung der gesamten Erbengemeinschaft sein.
  3. Rechtsmissbrauch vermeiden: Eine Teilungsversteigerung darf nicht aus rein taktischen Gründen oder zum Nachteil der anderen Erben angestrebt werden. Die Gerichte prüfen genau, ob der Antragsteller tatsächlich das Ziel der vollständigen Auseinandersetzung verfolgt.

Fazit

Eine Teilungsversteigerung ist ein rechtliches Mittel, um die Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft zu erzwingen, wenn sich die Beteiligten nicht einigen können. Solange der Antragsteller nachweisen kann, dass die Versteigerung der Auflösung der Erbengemeinschaft dient, wird diese in der Regel vom Gericht zugelassen. In dem beschriebenen Fall wurde die Versteigerung als gerechtfertigt angesehen, da die Beklagte zuvor erfolglos eine einvernehmliche Lösung gesucht hatte.

lightzins-Tipp: Teilungsversteigerung innerhalb einer Erbengemeinschaft

  • Jeder Miterbe kann jederzeit die Auseinandersetzung verlangen.
  • Ein Antrag auf Teilungsversteigerung ist möglich, wenn es um die Auflösung der Erbengemeinschaft geht.
  • Die Versteigerung darf nicht missbräuchlich genutzt werden – sie muss der endgültigen Auflösung dienen.
Über den Autor
Klaus Dieter Girnt

Klaus Dieter Girnt

Vorstand der lightzins eG

Klaus Dieter Girnt setzt sich seit über 30 Jahren dafür ein, dass Menschen im Alter ihren Lebensstil beibehalten können und ihre individuellen Wünsche bestmöglich absichern. Er ist Autor des Buchs „ich habe vorgesorgt“.

  • Berufs-Nachlasspfleger (DVEV)
  • Testamentsvollstrecker (DVEV)
  • Dozent an der VHS Bochum und weiteren öffentlich-rechtlichen Bildungsstätten
  • BAFA- und KfW-akkreditiert
  • Gründungsmitglied der lightzins eG

Fragen zu diesem Thema?

Sie haben Fragen zu diesem Beitrag oder zu Betreuung und Vorsorge, Erben und Vererben oder Nachlassabwicklung? Schreiben Sie uns – wir melden uns innerhalb eines Werktags.

Klaus Dieter Girnt

Klaus Dieter Girnt

Vorstand · zuständig für Nachlassabwicklung

    Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder.

    Weiterlesen

    Nachlassabwicklung

    Erdbestattung in NRW: Ablauf, Kosten, Vor- und Nachteile

    Was Angehörige vor der Beauftragung wissen und über die gesamte Grabnutzungszeit einplanen sollten.

    Nachlassabwicklung

    Digitaler Nachlass: Was nach dem Tod mit Ihren Online-Konten passiert und wie Sie vorsorgen

    Was passiert mit E-Mail-Konten, Streaming-Abos und PayPal-Guthaben, wenn ich sterbe? Dieser Ratgeber zeigt, was zum digitalen Nachlass gehört, was rechtlich gilt und wie Sie in vier Schritten vorsorgen.