Zum Inhalt springen
Nachlassabwicklung

Vorsorgevollmacht über den Tod hinaus

Eine wirksam erteilte, notariell beurkundete Vorsorgevollmacht besteht nach dem Tod des Vollmachtgebers grundsätzlich fort, wenn der Vollmachtgeber diese nicht, was regelmäßig nicht der Fall sein dürfte, auf seine Lebenszeit begrenzt hat.

Veröffentlicht am Lesezeit ca. 3 Minuten

Rechtsstand: 06.06.2023 · Die genannte Rechtsprechung entspricht dem Stand zu diesem Datum.

Klaus Dieter Girnt

Vorstand der lightzins eG · Berufs-Nachlasspfleger (DVEV) · Testamentsvollstrecker (DVEV) · Dozent an der VHS Bochum und weiteren öffentlich-rechtlichen Bildungsstätten · BAFA- und KfW-akkreditiert · Gründungsmitglied der lightzins eG

Holzbrücke über einen klaren Bach in einem sonnigen Park, ein heller Kiesweg führt hinüber

Vertretung der Erben

Vorsorgevollmachten, welche über den Tod hinaus gelten, sind allgemein anerkannt. Nach dem Tod des Erblassers vertritt der Bevollmächtigte die Erben des Vollmachtgebers. Dabei beschränkt sich die Vertretungsmacht auf den Nachlass und erstreckt sich nicht auf das Eigenvermögen der Erben.

Der Bevollmächtigte hat aufgrund der Ermächtigung des Erblassers (Vollmachtgeber) die Befugnis erhalten, innerhalb der ihm eingeräumten Vertretungsmacht über das zum Nachlass gehörende Vermögen in Vertretung der Erben zu verfügen. Hierzu muss er die Erben nicht namentlich benennen oder informieren und auch keinen Erbnachweis führen oder auch nur ausschließlich im Namen der Erben handeln.

Die Möglichkeit, über den Nachlass aufgrund der über den Tod hinaus erteilten Vorsorgevollmacht zu verfügen, besteht auch und gerade dann, wenn der Bevollmächtigte auch Erbe war, sein Erbe aber ausgeschlagen hat; denn der Bevollmächtigte handelt aufgrund der ihm erteilten Vollmacht und nicht als Erbe. Ist die Vorsorgevollmacht geltend über den Tod hinaus ausgestaltet, handelt der Bevollmächtigte für die „bekannten oder unbekannten“ Erben.

Reichweite der Vertretungsmacht des Bevollmächtigten

Bevollmächtigte können die Erben in Bezug auf den Nachlass berechtigen und verpflichten, egal, ob sie kurz vor oder kurz nach dem Tod des Vollmachtgebers handeln, solange die Vollmacht nicht widerrufen ist. Zur Wirksamkeit des sich daraus ergebenden Rechtsgeschäfts bedarf es keines speziellen Einverständnisses der Erben.

Aufgrund einer Vorsorgevollmacht über den Tod hinaus kann ein rechtmäßiger Schenkungsvertrag nach dem Tod des Schenkenden durch den Bevollmächtigten erfüllt werden.

Bankgeschäfte

Der Bevollmächtigte kann aufgrund der ihm über den Tod hinaus erteilten Vollmacht kein Konto des Erblassers auf sich selbst umschreiben. Er kann aber Verfügungen vom Konto vornehmen und das Konto sogar leer räumen. Die Bank ist nicht berechtigt oder verpflichtet, die Vollmacht zu prüfen oder infrage zu stellen oder das Innenverhältnis zu prüfen, solange nicht ein Missbrauch der Vollmacht nachweislich vorliegt oder der Bevollmächtigte und ein eventueller Vertragspartner zum Nachteil anderer zusammenarbeiten. Liegt für eine Kontoverfügung kein berechtigter Grund vor, so stehen den Erben Rückforderungsansprüche gegen den Bevollmächtigten zu. Das Risiko des Missbrauchs der Vollmacht trägt der Nachlass.

Grundbuchangelegenheiten

Mittels einer über den Tod hinaus wirksam erteilten Vorsorgevollmacht kann keine Grundbuchberichtigung auf die Erben vollzogen werden. Ebenso wenig kann der Bevollmächtigte einer Miterbengemeinschaft das Erbe abwickeln (auseinandersetzen), weil ihm vom Erblasser nicht die Macht eingeräumt ist, in die erbrechtliche Rechtsposition der Erben einzugreifen. Hierzu ist ein Erbschein notwendig. Ohne Erbnachweis sind aber Grundbucheintragungen mit Wirkung für die Erben möglich. Dies gilt auch dann, wenn Testamentsvollstreckung angeordnet ist. Der grundbuchrechtliche Vollzug eines von Bevollmächtigten vorgenommenen Rechtsgeschäfts ist ausführbar, und zwar sowohl vor als auch nach Umschreibung des Grundbuchs auf die Erben. Ebenso kann der Bevollmächtigte ein Grundstück auf einen Miterben übertragen. Denn der Bevollmächtigte vertritt die, wenn auch voraussichtlich noch unbekannten, Erben aufgrund der Vollmacht, die ihm der Erblasser erteilt hat, solange die Vollmacht nicht, für das Grundbuchamt ersichtlich, widerrufen ist. Gegenüber dem Grundbuchamt muss die Vollmacht notariell beurkundet sein.

Vorsorgevollmacht sicher gestalten

Buchcover „ich habe vorgesorgt“ von Klaus Dieter Girnt liegt auf einem Tisch

Bankverfügungen ohne Reibungsverlust, aber mit Schutz vor Missbrauch: Im Ratgeber „ich habe vorgesorgt“ zeigt Klaus Dieter Girnt, wie Sie Vollmachten klar formulieren, Grenzen definieren und Kontrollmechanismen festlegen. Mit konkreten Formulierungsbeispielen und Checklisten für die Praxis.

Über den Autor
Klaus Dieter Girnt

Klaus Dieter Girnt

Vorstand der lightzins eG

Klaus Dieter Girnt setzt sich seit über 30 Jahren dafür ein, dass Menschen im Alter ihren Lebensstil beibehalten können und ihre individuellen Wünsche bestmöglich absichern. Er ist Autor des Buchs „ich habe vorgesorgt“.

  • Berufs-Nachlasspfleger (DVEV)
  • Testamentsvollstrecker (DVEV)
  • Dozent an der VHS Bochum und weiteren öffentlich-rechtlichen Bildungsstätten
  • BAFA- und KfW-akkreditiert
  • Gründungsmitglied der lightzins eG

Fragen zu diesem Thema?

Sie haben Fragen zu diesem Beitrag oder zu Betreuung und Vorsorge, Erben und Vererben oder Nachlassabwicklung? Schreiben Sie uns – wir melden uns innerhalb eines Werktags.

Klaus Dieter Girnt

Klaus Dieter Girnt

Vorstand · zuständig für Nachlassabwicklung

    Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder.

    Weiterlesen

    Nachlassabwicklung

    Erdbestattung in NRW: Ablauf, Kosten, Vor- und Nachteile

    Was Angehörige vor der Beauftragung wissen und über die gesamte Grabnutzungszeit einplanen sollten.

    Nachlassabwicklung

    Digitaler Nachlass: Was nach dem Tod mit Ihren Online-Konten passiert und wie Sie vorsorgen

    Was passiert mit E-Mail-Konten, Streaming-Abos und PayPal-Guthaben, wenn ich sterbe? Dieser Ratgeber zeigt, was zum digitalen Nachlass gehört, was rechtlich gilt und wie Sie in vier Schritten vorsorgen.